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Review: Adams Äpfel

Oktober 8, 2008

DK 2005 R: Anders Thomas Jensen D: Mads Mikkelsen, Ulrich Thomsen, Nicolas Bro L: 94 min. FSK: 16 IMDb: http://german.imdb.com/title/tt0418455/

Die Story

ADAMS ÄPFEL – so nennt Ivan, Landpfarrer irgendwo im dänischen Nirgendwo, die Äpfel am kirchlichen Apfelbaum, seit Adam sich die Aufgabe gestellt hat, aus ihnen einen Apfelkuchen zu backen. Adam ist der Neuzugang in Ivans Oase der Nächstenliebe, in der er Straffällige zu resozialisieren versucht. Seine derzeitigen Schäfchen sind neben dem gewalttätigen Neo-Nazi Adam der Trinker und Vergewaltiger Gunnar und der arabische Tankstellenräuber Khalid. Auf den ersten Blick ein überzeugter Gutmensch, begegnet Pfarrer Ivan Allem und Jedem mit unerschütterlichem Verständnis, auch dem rüden Verhalten seiner Schützlinge. Doch bald entpuppt sich seine Barmherzigkeit als Besessenheit, die keine Widerrede duldet. Während Gunnar und Khalid Auseinandersetzungen mit Ivan aus dem Weg gehen, stellt sich Adam der manischen Güte. Er beschließt, den Kampf aufzunehmen und Ivans positiver Sicht der Dinge einen Schuss böse Realität zu verpassen. An der sich zuspitzenden Auseinandersetzung zwischen den beiden scheint sich jedoch eine dritte Macht zu beteiligen, die beide einer Prüfung unterziehen will.

Review

Seit Lars von Trier das dänische Kino mit seinen Dogmafilmen auf die europäische Landkarte setzte, hat sich in dem winzigen Land einiges getan. Abseits des Arthouse hat sich eine Bewegung junger Filmemacher gebildet, die unter gewolltem Bruch sämtlicher Dogmaregeln (oder Dogmadogmen 😉 ) kleine aber einzigartige Kultfilme produzieren, und das am laufenden Band. Den Durchbruch für diese dänischen „Kinopunks“ schaffte 1999 In China Essen Sie Hunde, eine skurille, brutale, aber auch sonderbar charmante schwarze Komödie die auch im Rest Europas vom Insidertipp zum Kultfilm avancierte.

Das originelle Drehbuch zu diesem Überraschungsfilm lieferte damals ein unbekannter junger Däne namens Anders Thomas Jensen, der später mit der Kannibalenkomödie (sic!) Dänische Delikatessen auch als Regisseur auf sich aufmerksam machte. Mit Adams Äpfel liefert Jensen nun den bisherigen Höhepunkt dieser „Neuen Dänischen Welle“ ab und bleibt dabei seinem Markenzeichen, pechschwarzem Humor, treu.

Die Charaktere des Films sind zu Beginn einfach, fast schon stereotyp gezeichnet. Auf der einen Seite Adam (Ulrich Thomsen), der auf seinem Zimmer gleich nach seiner Ankunft das Kreuz an der Wand durch ein Hitlerporträt ersetzt, auf der anderen Seite der fast schon nervend-gutgmütige Ivan (Casino Royale-Fiesling Mads Mikkelsen), der es sich zum Ziel gemacht hat, Adam auf den rechten Weg zurückzubringen. Dieser ist jedoch von Adams Gutmenschentum derart angewiedert, dass er alles daran setzt, Ivans Weltbild zu erschüttern. In einer deutschen Produktion wären die Rollen bei dieser Prämisse klar verteilt: Neonazi gegen Priester, Gut gegen Böse. Tatsächlich nutzt auch Adams Äpfel die beiden Charaktere und ihre Beziehung als Metapher für diesen Kampf, schafft aber das Kunststück, dass man sich als Zuschauer bald fragt welcher dieser beiden Charaktere die Resozialisierung denn eigentlich nötiger hat.

Es fällt schwer, Adams Äpfel einem bestimmten Genre zuzuordnen. Im weitesten Sinne ist der Film eine Komödie, deren Humor allerdings derart abgrundtief schwarz ist, dass einem das Lachen fast schon im Hals stecken bleibt. Diese Art von Humor ist sicher nicht jedermanns Sache, die Grenze zum Makaberen wird oft weit überschritten, auch vor Gewaltspitzen schreckt der Film nicht zurück. Als Zuschauer hat man beim Lachen fast schon ein ungutes, schuldiges Gefühl, andererseits sind einige Szenen nur durch Lachen zu ertragen. Schon alleine das Schicksal der Figur Ivan ist (ohne zuviele Einzelheiten verraten zu wollen) derart abstrus-tragisch, dass es schon wieder lustig ist. In der zweiten Hälfte springt der Film dann schlagartig in ein handfestes Drama, inszeniert den intellektuellen Kampf zwischen Gut und Böse und die Katharsis beider Hauptcharaktere sogar mit biblischen Motiven, ohne dabei sein Augenzwinkern und den Sinn für derben Humor zu verlieren.

Neben der originellen Prämisse ist es vor allem das geniale Ensemble rund um den phänomenalen Mads Mikkelsen als Ivan, das Adams Äpfel zu einem besonderen Film macht. Man darf gespannt sein was die Dänen im Allgemeinen und Anders Thomas Jensen im Speziellen noch für die Zukunft parat haben.

9/10 Punkten

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One comment

  1. Hahaaa! Dänische Delikatessen hab ich schon gesehn, der war lustig 🙂 Mit der Giraffe! Hahaha.
    Ja ich bin echt gespannt auf die Filme von dir, also danke im Voraus!! 🙂 Xx



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