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Review: The Dark Knight

September 8, 2008

USA 2008 R: Christopher Nolan D: Christian Bale, Heath Ledger, Aaron Eckhart, Morgan Freeman, Maggie Gyllenhaal, Gary Oldman L: 152 min. FSK/MPAA: 16/PG-13 IMDb: http://german.imdb.com/title/tt0468569/

The Dark Knight – Der Mythos

Vermutlich seit Jurassic Park gab es keinen Hollywoodfilm mehr, der bereits im Vorfeld derart gehyped wurde wie die mittlerweile sechste moderne Filmadaption des legendären Comichelden Batman. Bereits unmittelbar nach Batman Begins, dem Vorgänger zu The Dark Knight fieberten die Fans der Fortsetzung entgegen, je näher der Starttermin rückte, desto lauter wurden die von den frühen Trailern angeheizten, vorfreudigen Lobgesänge auf Christopher Nolan (Memento, Prestige, Batman Begins) und vor allem den eigentlichen Star des neuen Blockbusters: Heath Ledger (Ritter aus Leidenschaft, BrokebackMountain).

Als nach dessen tragischem Tod im Januar diesen Jahres die ersten Bilder von seiner Rolle als Joker veröffentlicht wurden, gab dies dem Hype den letzten Kick. The Dark Knight war bereits zum Kultfilm avanciert, ehe auch nur ein Kinozuschauer eine einzige Sekunde des Filmes gesehen hatte.

Am 14. Juli 2008 war es dann schließlich so weit, The Dark Knight feierte seine Kinopremiere in den USA. Sowohl die eingefleischten Comicfans, als auch professionelle Filmkritiker überschlugen sich förmlich in ihren Lobeshymnen, die euphorische Stimmung ging sogar so weit, dass Regisseur und Comicfan Kevin Smith den Film als The Godfather II of comicbook movies bezeichnete, in der Internet Movie Database schaffte The Dark Knight, was seit der Einführung der dortigen Top 250-Liste keinem Film zuvor gelungen war: Er verdrängte The Godfather vom ersten Platz (ist mittlerweile aber wieder auf Platz 3 zurückgefallen).

Bei all diesem Hype war ich fast schon etwas skeptisch, ob der Film die enorm hohen Erwartungen auch tatsächlich würde erfüllen können.

Die vielen Gesichter des Batman

Batman ist der wohl vielschichtigste Comicheld überhaupt. Über die Jahrzehnte und mit den unzähligen Autoren, die seine Geschichten aufs Papier brachten, änderte sich aich auch die Interpretation der Figur immer wieder. Mit Batman und Batman Returns orientierte sich Tim Burton bereits damals (ganz seinem Naturel entsprechend) an den eher düsteren Facetten der Figur und ihres Universums, ohne aber darüber zu vergessen dass es sich um eine Comicgeschichte handelt. Joel Schumacher wählte mit Batman Forever und Batman & Robin das andere Extrem und präsentierte den Flattermann in einer knallig-bunten Produktion mit wenig Tiefgang und viel Effekthascherei, was von den Fans an der Kinokasse auch abgestraft wurde und Hollywoods Pläne für weitere Comicverfilmungen für lange Zeit wieder in der Schublade verschwinden lies.

Für Batman Begins versuchte sich mit dem Ausnahmeregisseur Christopher Nolan bereits der dritte Filmemacher am Quellmaterial und belies es nicht bei einer simplen Fortführung der bisherigen Filme, sondern erzählte die Geschichte von Grund auf neu. Seine Interpretation, die sich ebenfalls eher auf die dunkle Seite der Geschichte konzentrierte, belebte das Genre der Comicverfilmungen neu und wurde zu einem respektablen finanziellen Erfolg für Warner Bros., weshalb ein zweiter Film unter Nolans Regie ohnehin nur reine Formsache war. Die Vorfreude der Fans wurde bereits damals durch Nolans Kommentare, er habe sich mit Batman Begins nur für den „eigentlichen Film“ warm gemacht entfacht. Und Nolan sollte Recht behalten…

Der düsterste und erwachsenste Batman aller Zeiten

Was The Dark Knight von anderen Comicverfilmungen abhebt ist seine Ernsthaftigkeit. Nolan inszeniert Batman als ernstgemeinte, realistische Figur ohne Augenzwinkern und comictypische Überzeichnungen. Und Batman eignet sich einfach hervorragend für eine solche herangehensweise, ist er doch einer der wenigen Comicfiguren ohne Superkräfte. Bruce Wayne (Christian Bale, American Psycho, Prestige), ein Millionär wie du und ich, der sein Leben nach dem tragischen Tod seiner Eltern dem Kampf gegen das Verbrechen gewidmet hat. In The Dark Knight fokussiert Nolan das Innenleben dieser Figur, stellt ihn nicht als strahlenden, sondern als tragischen Helden dar, der nicht nur alle Hände voll damit zu tun hat, das Verbrechen im düsteren Moloch Gotham Citys zu bekämpfen, sondern dessen Jugendliebe Rachel (Maggie Gyllenhaal) auch noch mit dem engagierten Staatsanwalt Harvey Dent (Aaron Eckhart, Thank You For Smoking) durchgebrannt ist. Wie Batman will auch Dent die Stadt von der Kriminalität befreien, bedient sich dabei aber der Macht des Gesetzes.

Die grundsätzlichen Unterschiede zwischen diesen beiden Charakteren geben dem Film viel Dynamik und bieten einige tiefsinnige,fast schon philosophische Ansätze (hervorragend auf den Punkt gebracht durch das Dialogzitat „either you die a hero or you live long enough to become a villain“).

Neue Schurken braucht das Land

Doch natürlich handelt es sich bei The Dark Knight nicht um philosophisches Arthouse-Kino, sondern in erster Linie um einen Comicfilm in dem es auch ordentlich kracht.

Anlass dafür bietet der Joker, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Batman bis herauszufordern und bis an die Grenze zu treiben. Ein wirkliches Motiv dafür hat er nicht, es scheint ihm zu genügen die heldenhafte Weltsicht des Protagonisten erschüttern zu wollen, der Menschheit ihr wahres Gesicht zu zeigen, was die Figur um einiges bedrohlicher und interessanter macht.

Viele Filme stellen den Wahnsinn ihrer Bösewichter anhand einer exemplarischen Szene dar, die gern zur Einführung des Charakters genutzt wird, in der die Figur irgend einen herrlich fiesen Auftritt hat. Der Joker bekam von Nolan gleich mehrere solcher Auftritte spendiert, von denen der genialste einen Zaubertrick darstellt, in dem er einen Bleistift verschwinden lässt…

Nolans Joker ist ungleich böser und bedrohlicher als Jack Nicholson Interpretation im ersten Batman Film, und Heath Ledger füllt diese Rolle perfekt aus. Ledger spielt den Joker nicht als albernen Clown, sondern als skrupellosen Terroristen mit Punkrockattitüde, eine Mischung aus Sid Vicious und Alex von Clockwork Orange.

Ich könnte über Ledgers Leistung als Joker garkeine Worte verlieren, die nicht schonmal irgendwo geschrieben wurden, deshalb nur soviel: All der Hype im Vorfeld über seine Performance war absolut gerechtfertigt. Ledger ist der Star in The Dark Knight. Es ist die beste Rolle seiner Karriere, und es ist unglaublich traurig dass es auch gleichzeitig seine letzte war.

The Dark Knight – Ein Epos?

Die bereits angesprochene Ernsthaftigkeit und die tiefgründigen Ansätze im Film funktionieren überraschend gut angesichts der Tatsache, dass es sich um einen Comicfilm handelt. Nolan macht aber glücklicherweisenicht den Fehler,den Stoff zu ernst zu nehmen. Vergleiche mit der Pate-Trilogie sind daher fehlangebracht, The Dark Knight ist auch sicher nicht der beste Film aller Zeiten, auch wenn man diesen Eindruck im Vorfeld durchaus gewinnen konnte), das will er aber auch nicht sein. The Dark Knight ist unterm Strich Unterhaltungskino, und Langeweile kommt zu keiner Sekunde des Films auf.

Die einzige kleine Schwäche leistet sich The Dark Knight in der letzten halben Stunde, die für meinen Geschmack etwas überflüssig war, da die eigentliche Geschichte bereits zuende erzählt war. Dennoch folgt ein ganzes Kapitel, in dem genug Stoff abgehandelt wird, dass Nolan damit locker einen kompletten dritten Film hätte füllen können. Das trübt den überaus positiven Gesamteindruck desFilms im Ergebnis aber kaum.

Fazit

The Dark Knight ist vielleicht nicht der beste Film aller Zeiten, aber mit Sicherheit die beste Comicverfilmung aller Zeiten. Ein hochkarätig besetzter und wilder Actionthriller an dem nicht nur Comicfans ihre Freude haben werden.

8,5/10 Punkten

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2 Kommentare

  1. Ich wuerde den Film genauso einordnen. Nicht der beste Film aller Zeiten (kann das eine Comicverfilmung ueberhaupt sein?), aber ein Film, der mit solcher Wucht die Leinwand erobert, dass der Zuschauer wie gebannt dem Geschehen folgt.

    Das letzte Mal, dass ich den Kinosaal mit einem aehnlichen Gefuel verlassen habe, war nach dem ersten Teil der „Herr der Ringe“-Trilogie.


  2. Ich fand den auch super spannend. Ja das stimmt, mit dem Schlusskapitel, das war mir gar nicht aufgefallen, aber jetzt wo dus sagst (schreibst)… Aber sonst hat er mir gut gefallen, nur ein bisschen traurig das Ende und so. 🙂



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